Kirchengründung & -bauten

KIRCHENGRÜNDUNG – KIRCHENBAU

ERSTE KIRCHE 1897 – 1923

Japan war bis zur „Meiji-Restauration” streng gegen jeglichen Einfluss von aussen abgeschottet. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts wurde es zum Ziel europäischer und amerikanischer Missionsgesellschaften. Als der Schweizer Missionar Wilfrid Spinner (1854 – 1918), im Dienst des Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Missionsvereins (Weimar), am 8. September 1885 in Japan ankam, schuf er sich als erstes eine soziale Heimat unter den deutschsprachigen Ausländern durch die Gründung der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinden Tokyo (DEG-T) und Yokohama (DEG-Y).

 

Beide Gemeinden waren von Anfang an demokratisch strukturiert und wurden von einem gewählten Gemeindevorstand geleitet. Spinner gründete auch japanische Gemeinden, eine Knabenschule, eine Klöppelschule, eine Evangelische Theologische Akademie, und arbeitete mit anderen Missionsgesellschaften zusammen. Er verliess Japan 1891.

1897 wurde die Deutsche Kirche am Togozaka in der Nähe der kaiserlichen Palastgärten eingeweiht. Die Togozaka-Gemeinde wurde von 1909 bis 1946 von Akashi Shigetaro betreut, einem Pastoren, den Spinner selbst getauft und ausgebildet hatte.

Die jeweiligen Gemeindepfarrer wurden von der Sachsen-Weimarischen Landeskirche, bzw. ab 1921 von der Thüringischen Landeskirche entsandt, und waren gleichzeitig in der Ostasien-Mission tätig.

Am 1. September 1923 wurde die Kirche im Großen Kanto-Erdbeben zerstört.

ZWEITE KIRCHE 1927 – 1945

Die Gemeinde sammelte Spenden in Deutschland und Japan. Im Jahr 1927 konnte die neue Togozaka-Kirche eingeweiht werden. 1936 wurden die Gemeinden in Tokyo und Yokohama zusammengefasst und „gleichgeschaltet”. Im Krieg waren die meisten Gemeindemitglieder nach Hakone und Karuizawa evakuiert. Die Togozaka-Kirche wurde 1945 durch die Brandbomben zerstört, die Tokyo dem Erdboden gleich machten. Die noch in Japan verbliebenen Deutschen wurden von der amerikanischen Besatzungsmacht 1947 nach Deutschland „repatriiert”.

AUSWEICHQUARTIER 1953 – 1959

Erst nachdem Japan 1952 einen Friedensvertrag mit den Alliierten geschlossen hatte, durften sie zurückkehren. 1953 beauftragte die Deutsche Ostasien-Mission den Pfarrer der Seemannsmission in Yokohama, die allmählich nach Tokyo zurückgekehrte Gemeinde wieder einzusammeln. Die Evangelische Gemeinde traf sich zu dieser Zeit unter anderem in der Tokyo Union Church an der Omotesando und im Tomisaka Christian Center.

DRITTE KIRCHE SEIT 1959

Das Grundstück am Togozaka wurde verkauft und ein neues Grundstück zwischen Gotanda und Shinagawa gekauft.

 

Der Architekt Dr. Konrad Wiese, der die neue Deutsche Botschaft in Tokyo erbaute, bekam den Auftrag, den Plan für eine neue Kirche zu entwerfen. Der Bau wurde vom japanischen Baumeister Itoh ausgeführt. Einweihung war am 10. Mai 1959 mit einem Festgottesdienst.

Das Jahr 1960 bescherte der Kirche eine Orgel, die Kantor Schmidt bei der Firma Walcker aus Deutschland bestellt hatte. Herr Meißner und Herr Correns übernahmen die Kosten von 8000 DM.

 

In der Gemeindevorstandssitzung vom 11. November 1960 wurde der Bau eines Pfarrhauses beschlossen. Seit seiner Fertigstellung wohnt die Pfarrfamilie im Obergeschoss, und die Räume im Erdgeschoss werden von der Gemeinde genutzt.

 

Neue Pfarrer setzten neue Akzente in der Gestaltung der Innenräume. Pfarrer Isermayer berichtet: »Da ich aus einer lutherischen Kirche komme, habe ich den Altarraum ein wenig lutherisch „umgestaltet“. Es wurden Altarkerzen gekauft, die in die großen Leuchter passten. In kurzer Zeit wurden Paramente und ein Altarteppich gekauft. Dabei gab es große Probleme bei der Einfuhr mit interessanten Dialogen beim Zoll. Später kam ein Kreuz hinzu, das beim Zoll als Altmetall und damit „Schrott“ deklariert wurde. Podeste für die Kantorei wurden besorgt, und mit hohem Aufwand die Orgel generalüberholt (Yen 1,5 Mio.). Zum Abschluss gab es einen neuen Innenanstrich und eine neue Papierrückwand des Altarraumes.

Vom 1. Advent bis zum 6. Januar leuchtete im Altarraum ein „Herrnhuter Stern“, der bereits beim Aufgang zur Kirche sichtbar war. Zu den Gottesdiensten wurde (Anm.d. Redaktion: und wird auch heute noch) mit Hand „geläutet“. Eine kleine Glocke, die aus einer Kirche in Korea stammte, wurde an der Kirchenecke zum Tor hin aufgehängt.«

Pfarrer Korthus brachte Repliken der Deckenpaneele aus einer Dorfkirche in der Schweiz an, die Szenen aus der Bibel darstellen. Sie eignen sich wunderbar zur Meditation.

1971 wurde die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Seoul, Südkorea, gegründet. Sie wurde bis 1991 von Tokyo aus betreut, d.h. einmal im Monat flog der Pfarrer nach Südkorea.

Seither werden die Gemeindepfarrer, die von der EKD vorgeschlagen werden, von der Gemeinde gewählt. Die Gemeinde finanziert sich selbst aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

 

Trotz einer Generalüberholung im Jahre 1985 blieb die kleine, alte Orgel störanfällig und insbesondere in den Wintermonaten kaum bespielbar. Dieses Instrument war durch die verwendeten, kostengünstigen Materialien nicht für das herausfordernde Klima in Tokio gebaut, dass sich durch extrem trockene Winter und heiße, schwüle Sommer auszeichnet. Seit den 1990er Jahren wurden deshalb regelmäßig Gottesdienstkollekten für eine neue Orgel gesammelt. Diese Gelder waren zum Aufbau eines Finanzierungssockels bestimmt, ohne dass anfänglich ein definiertes Orgelprojekt beschlossen war.

 

Im Jahr 2006 wurden nach mehreren großen Erdbeben in Japan die Bauvorschriften für öffentlich genutzte Gebäude verschärft. Die Gemeinde hat ein Statiker-Gutachten eingeholt. Dieses besagte, dass nicht nur die Kirche erdbebensicher gemacht werden musste, sondern ganz besonders das Pfarrhaus.

In mehreren Gemeindeversammlungen wurde 2008 der Beschluss gefasst, diesem nachzukommen und unter anderem auch das alte Pfarrhaus abzureißen und neu zu bauen. Architekt Akira Hirokawa bekam den Auftrag dazu.

Der Zugang zum Pfarrhaus ist jetzt ebenerdig. Der Gemeinderaum im Erdgeschoss hat Zugang zu einem Lichthof. Die Räume sind hell und modern eingerichtet. Im Untergeschoss befindet sich ein großer Lagerraum.

Das Kirchengebäude wurde durch die Verstärkung der tragenden Balken erdbebensicher gemacht. Außerdem wurden in diesem Zug der Fußboden erneuert und neue Stühle angeschafft. Auch der Garten wurde neu gestaltet, mit einem Vorplatz und einer neuen Treppe.

Am 25. September 2011 konnte das neue Pfarr- und Gemeindehaus in einem festlichen Gottesdienst eingeweiht werden.

Die Kosten für den Um- und Neubau musste die Gemeinde zum größten Teil aus eigenen Mitteln aufbringen.

 

Im Oktober 2013 beschloss der Gemeindekirchenrat der Kreuzkirche, die störanfällige Orgel durch eine neue zu ersetzen. Mit Orgelbauer Hermann Weber aus Leutkirch im Allgäu begannen vertiefende Diskussionen. Zu diesem Zeitpunkt lagen Spenden in Höhe von 50.000€ vor. Es bestand also weiterhin eine Finanzierungslücke von mindestens 70.000€ für das Instrument an sich plus die weiteren Kosten für Umbauten in der Kirche, Transport, Aufstellung, Intonation, etc.

Zur Beschaffung weiterer Finanzmittel wurden ab Anfang 2014 gezielt deutsche und japanische Firmen sowie Einzelpersonen um größere Einzelspenden gebeten. Diese Spendenaktion verlief überraschend positiv und erbrachte in wenigen Monaten ca. 110.000€ an Spenden. Dies ermöglichte es, Mitte 2015 eine gut ausgestattete Orgel bei der Firma Hermann Weber Orgelbau bestellen zu können.

Im Frühjahr 2019 wird sie fertiggestellt, versandt, vor Ort aufgebaut und der Intonation der letzte Schliff gegeben. Die Einweihung ist für Ostern 2019 geplant.

BUCHTIPP

Meiji-Tagebuch und Japanwerk des Dr. W. Spinner
Prediger aus Zürich

Veröffentlicht in Heyo E. Hamer: Mission und Politik – Perspektiven der Weltmission, Band 32
Aachen 2002, 632 Seiten, ISBN 3-86130-132-6 ISSN 0933-8438

In der Ankündigung zu diesem Buch heißt es: »Der Züricher Pastor Dr. W. Spinner konnte 1885 in Tokyo und Yokohama je eine deutschsprachige Gemeinde sammeln. Als Pastor einer Auslandsgemeinde versuchte er erfolgreich im Zusammenwirken mit hohen Beamten der japanischen Politik, Wissenschaft und Gesellschaft Japaner für das Christentum zu gewinnen. Das vorliegende Tagebuch bietet auf ca. 250 Seiten einen lebendigen Ausschnitt aus der Geschichte der Kolonialzeit in Japan«.

Der Autor, Professor Dr. Dr. Heyo Hamer war als Hilfsprediger hier in Tokyo und betreute 1964 als Olympiapfarrer die deutschen Olympiateilnehmer bei der Olympiade.

60 Jahre Kreuzkirche Gotanda: Festschrift

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