Die dritte Kirche

»Im Auftrag des Allgemeinen Evangelischen Missionsvereins war im September des Jahres 1885 der Schweizer Missionar Wilfrid Spinner in Tokyo eingetroffen. Wenige Wochen nach seiner Ankunft faßte er deutsche und Schweizer Christen zu einer deutschen evangelischen Gemeinde in Tokyo zusammen. Zu der Gründungs-versammlung am 10. Oktober war auch Rudolph Lehmann erschienen. Schon im zweiten Jahr seines Bestehens faßte der Kirchenvorstand den Beschluß, eine eigene Kirche zu bauen. Die Pläne zeichnete der Architekt Hermann Muthesius, der von 1887 bis 1890 in Tokyo für die japanische Regierung arbeitete (er wirkte beim Bau des Parlamentsgebäudes in Nagatacho mit). Sammlungen und Stiftungen in Deutschland, aber auch unter den Japan - Deutschen erbrachten die benötigten Mittel. Dennoch zog sich der Baubeginn hin, Pläne wurden korrigiert, die japanische Währung verlor an Wert und die gesammelten Gelder reichten nicht mehr. In dieser Situation „kam der tüchtige, immer zur Arbeit bereite Ingenieur Rudolf Lehmann und sagte, er wolle die Kirche nach den Muthesius-Plänen mit den vorhandenen Mitteln bauen, und siehe - es ging!

Erste Togozaka-Kirche

Am 27. Januar 1897 wurde endlich die erste deutsche Kirche in Tokyo eingeweiht. Es war ein schöner Backsteinbau mit einem stattlichen Turm auf einem gut gelegenen Grundstück an der Ecke von Togozaka und Sanbancho in Kojimachi. Lehmann war später bis zu seinem Tode Gemeinde-Vorsitzender." Leider hat die Kirche das schwere Erdbeben vom 1. September 1923 nicht überstanden.«
 Aus: Rudolph Lehmann (1842 - 1914) - ein Lebensbild; "Langjähriger Vorsitzender und Ehrenmitglied der OAG" von Gerd Hoffmann; OAG-Notizen 9/2006

Die neue Kirche wurde am 27. November 1927 eingeweiht. Sie war Treffpunkt der deutschen Gemeinde und verschiedener Missionsgruppen.
Von Februar bis Mai 1945 wurde Tokyo in drei grossen Angriffswellen von amerikanischen Brand- und Napalmbomben dem Erdboden gleich gemacht. Diesen Angriffen fiel auch die Togozaka-Kirche zum Opfer.

Zweite Togozaka-Kirche Nach dem Gottesdienst, ca. 1940

Die noch in Japan verbliebenen Deutschen wurden 1947 von der amerikanischen Besatzungsmacht repatriiert. Es blieben nur wenige Deutsche, wie z.B. die Missionarin Gertrud Kücklich, zurück.
Die Rückkehr der Deutschen setzte 1952 ein, als Japan einen Friedensvertrag mit den Alliierten geschlossen hatte. Die Evangelische Gemeinde traf sich unter anderem in der Tokyo Union Church am Omotesando und im Tomisaka Christian Center. Das Grundstück am Togozaka wurde verkauft und ein neues Grundstück in Gotanda in der Nähe des Bahnhofes gekauft.

Bauarbeiter 1959 Architekt Dr. Wiese und Baumeister Itoh bei der Einweihung

Türschild 1959 Der Architekt Dr. Konrad Wiese, der die neue Deutsche Botschaft in Tokyo erbaute, bekam den Auftrag, den Plan für die Kirche zu entwerfen. Der Bau wurde vom japanischen Baumeister Itoh ausgeführt. Am 23. Dezember 1958 wurde das Richtfest gefeiert. Einweihung war am 10. Mai 1959 mit einem Festgottesdienst.

Das Jahr 1960 bescherte der Kirche die neue Orgel, die Kantor Schmidt bei der Firma Walcker aus Deutschland bestellt hatte. Herr Meißner und Herr Correns übernahmen die Kosten von 8000 DM. Obwohl inzwischen dringend erneuerungsbedürftig, erklingt sie noch heute in unserer Kirche.

Das Kücklich-Häuschen Baumeister Itoh im Festtags-Kimono In der Gemeindevorstandssitzung vom 11. November 1960 wurde der Bau eines Pfarrhauses beschlossen. Die Sitzung fand im sogenannten „Kücklich-Häuschen“ statt, einem kleinen japanischen Häuschen, das noch auf den Grundstück stand, und in dem Frau Kücklich und Aika übernachteten, wenn sie in Tokyo waren. Es bildete den "Kern" des Pfarrhauses, das an die Kirche angebaut wurde. Seit seiner Fertigstellung wohnt die Pfarrfamilie im Obergeschoss, und die Räume im Erdgeschoss werden von der Gemeinde genutzt.

Neue Pfarrer setzten neue Akzente in der Gestaltung der Innenräume. Pfarrer Isermayer berichtet: »Da ich aus einer lutherischen Kirche komme, habe ich den Altarraum ein wenig lutherisch "umgestaltet". Es wurden Altarkerzen gekauft, die in die großen Leuchter passten. In kurzer Zeit wurden Paramente und ein Altarteppich gekauft. Dabei gab es große Probleme bei der Einfuhr mit interessanten Dialogen beim Zoll. Später kam ein Kreuz hinzu, das beim Zoll als Altmetall und damit "Schrott" deklariert wurde. Podeste für die Kantorei wurden besorgt, und mit hohem Aufwand die Orgel generalüberholt (Yen 1,5 Mio.). Zum Abschluss kam ein neuer Innenanstrich und eine neue Papierrückwand des Altarraumes.
Vom 1. Advent bis zum 6. Januar leuchtete im Altarraum ein Herrnhuter Stern, der bereits beim Aufgang zur Kirche sichtbar war. Zu den Gottesdiensten wurde mit Hand „geläutet“. Eine kleine Glocke, die aus einer Kirche in Korea stammte, wurde an der Kirchenecke zum Tor hin aufgehängt.«
Pfarrer Korthus brachte Repliken der Deckenpaneele aus einer Dorfkirche in der Schweiz an, die Szenen aus der Bibel darstellen. Sie eignen sich wunderbar zur Meditation.

Im Zuge der Umbauarbeiten zur Erdbebensicherung wurden im Jahre 2008 die tragenden Balken verstärkt. Gleichzeitig wurde der dunkle PVC-Fussboden durch ein farblich passendes helles Parkett ersetzt. Auch die inzwischen fast 50 Jahre alten Stühle wurden erneuert.

Die Gemeindeversammlung hat beschlossen, das alte Pfarrhaus abzureissen. Im September 2011 konnte der Neubau des Pfarrhauses eingeweiht werden.

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Zuletzt geändert am 02.01.2012