Kibō no Ie

Das Diakonie-Center „Kibo no Ie“ (Haus der Hoffnung und Freude) wurde 1973 im Tagelöhner-Viertel Kamagasaki der über 8 Millionen Einwohner zählenden Stadt Osaka von der deutschen Missionarin Elsbeth Strohm gegründet. Elsbeth Strohm hat 30 Jahre in Japan gelebt und gearbeitet, von 1962 bis 1983 im Stadtteil Kamagasaki. Zu Beginn ihrer Tätigkeit in Kamagasaki hatte sie eher unfreiwillig ein ‚Baby-Center‘ im angrenzenden Viertel von Kamagasaki aufgebaut, das heute eine selbständige Einrichtung zur nachschulischen Betreuung von Schülern und Jugendlichen namens „Strohm-Kinen-Kodomo-Center“ ist.

Blick in die Straße des ‚Kibo no Ie‘ mit Business-Hotels, die Unterkünfte für Tagelöhner in Kamagasaki

Auch die Anfänge der Beratung von Alkoholkranken und Durchführung der wöchentlichen Gruppensitzung nach dem Prinzip der Selbsthilfe für Suchtkranke liegen im Baby-Center.

Das "Kibo no Ie" ist ein Beratungszentrum für alkoholkranke und von Wohnungslosigkeit betroffene Männer. 1985 konnte das jetzige Gebäude auf gleichem Grundstück errichtet werden, mit innerhalb Japans gesammelten Spenden und mit finanzieller Hilfe seitens der Partnerkirchen der Japanischen Evangelisch-Lutherischen Kirche: Amerika, Finnland, Dänemark und vor allem durch die Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig. Es besteht seit 1968 eine vertragliche geregelte, aktive Partnerschaft zwischen der JELC und der Braunschweigischen Landeskirche. Die Arbeit im „Kibo no Ie“ wird seit 1982, mit Rückkehr von Elsbeth Strohm nach Deutschland, seitens der JELC eigenverantwortlich geführt.

Als ihr Nachfolger wurden Diakon und Sozialtherapeut Bodo Walther und seine Frau Christine nach Kamagasaki zur Mitarbeit und fachlichen Anleitung der japanischen Mitarbeiter in der Beratung und Behandlung von Suchtkranken entsandt. Ehepaar Walther ist von 1983 bis 1992 in Kamagasaki im Einsatz gewesen. Ein japanischer Mitarbeiter, Pfarrer Hitoshi Akiyama, konnte von 1992 bis 1998 in Braunschweig durch Mitarbeit in der Lukas-Werk Suchthilfe gGmbH in Wolfenbüttel, sowie durch eine parallel erfolgte Ausbildung zum Sozialtherapeuten (systemisch-orientiert) für die Beratung und Behandlung von Suchtkranken qualifiziert werden. Akiyama leitete das „Kibo no Ie“ von 1998 bis 2010 und ist jetzt wieder ganz in einer Kirchengemeinde der JELC auf der Insel Kyushu tätig.

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Am 1. April 2012 konnte Pfarrerin Kokatsu, die im Erststudium Sozialarbeit/Case Management studiert hat und einige Jahre auch tätig gewesen ist, die Arbeit im „Kibo no Ie“ beginnen, nachdem die Stelle der Einrichtungsleitung ein Jahr vakant gewesen ist. Frau Kokatsu kennt die Arbeit im „Kibo no Ie“ schon recht gut, hatte sie doch in ihrem Vikariat dort einen längeren Zeitraum intensiv mitarbeiten können.

Verschiedene Angebote können zur Hilfe der Klienten des „Kibo no Ie“ gemacht werden: Regelmäßige Einzel- und Gruppengespräche, beschäftigungstherapeutische Angebote (Postkartenproduktion aus selbst recycelten Tetrapaks), Töpfern, Minigarten auf dem Flachdach des Hauses, sowie regelmäßiges Schwimmen in einem Hallenbad.
Hinzu kommt monatlich ein Ausflug an sehenswürdige Orte der näheren Umgebung im Kansai-Gebiet, für die die Klienten früher, als sie noch Alkohol tranken, gar kein Interesse, geschweige denn Zeit, aufwenden konnten. Falls erforderlich wird auch eine Zeit lang die Geldverwaltung im Hause übernommen oder angeleitet.

Klienten und Mitarbeiter beim ‚Hanami‘ (Kirchblüten schauen)

Bodo Walther ist seit seiner Rückkehr von der Braunschweigischen Landeskirche beauftragt, die Arbeit im „Kibo no Ie“ durch Besuche in Abständen von 18 Monaten jeweils für Monate zur Mitarbeit sowie Fach- und Konzeptberatung zu begleiten. Dies hat sich die JELC damals gewünscht und ist ein praktischer Baustein der gepflegten Partnerschaft. Außerdem hält er Fachvorträge etc. im „Kibo no Ie“, auf Einladungen auch in Universitäten, zu Fachfragen der Suchtkrankheit und den Therapiemöglichkeiten. Des weiteren erfolgen seinerseits Kontaktbesuche in Gemeinden der Japanischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (Nihon Fukuin Ruteru Kyokai) und er organisiert Gruppenreisen aus Deutschland in die japanische Partnerkirche; zuletzt ist 2009 eine Gruppe in Japan gewesen, es steht wieder ein Gegenbesuch aus Japan in die Braunschweigische Landeskirche auf dem Plan.

Die diakonische Arbeit der JELC im „Kibo no Ie“ wird jährlich mit einer Kollekte der Gemeinden der Braunschweigischen Landeskirche bedacht. Hinzu kommen Spenden für die Arbeit in Kamagasaki von Freunden und Förderern in Japan und Deutschland. Dazu zählen seit sehr vielen Jahren auch die deutschsprachigen katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Kobe und Tokyo-Yokohama. Dafür sind die MitarbeiterInnen im „Kibo no Ie“ den Spendern außerordentlich dankbar, denn die Arbeit kann als kirchliche Körperschaft aus staatlichen Mitteln nicht unterstützt werden.

Klienten und Mitarbeiter beim gemeinsamen Abendessen; hinten rechts Bodo Walther

Die Gründerin des „Kibo no Ie“, Missionarin Elsbeth Strohm, konnte im Februar 2012 ihren 90. Geburtstag feiern. Zu dieser Feier sind 10 Japaner aus Kamagasaki eigens nach Kitzingen gereist, um ihr auch zu berichten, dass ihre mit großen Einsatz gegründeten Einrichtungen für Kinder, Jugendliche, sowie für Suchtkranke und Wohnungslose in ihrem diakonischen Geist weitergeführt werden. Das stimmt froh und dankbar zu Gott.

Bodo Walther
Mai 2012

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Unsere alte "Kibo-no-Ie"-Seite enthielt mehr Hintergrundinformation zur Geschichte des Hauses, entnommen aus unserem Gemeindebrief vom Mai 2004. Sie finden sie hier.

Die Kreuzkirche sammelt regelmässig Spenden für Kibo no Ie; ca. einmal im Monat wird die Kollekte nach Osaka weitergeleitet.

Klienten in der Beschäftigungstherapie mit Ton; vorne rechts die neue Leiterin, Pfarrerin Kokatsu, sich im Umgang mit Ton übend
 

Zuletzt geändert am 06.09.2012